Logbuch Rückfahrt Tage 80 bis 86 vom 18.7. bis 24.7.2014, Sumlog 4.800 nm, Gesamtsumlog 11.846 nm

Von Cuxhaven bis in den Heimathafen SCE Eckernförde

In Cuxhaven haben wir bei bestem Sommerwetter noch einiges am Schiff geputzt und entrostet, das Salzwasser aus dem Tauwerk gespült und uns nebenbei die Stadt näher angesehen. Hier besonders das Fischerei und Wrackmuseum „Windstärke 10“, das in den alten Fischauktionshallen sehr schön eingerichtet wurde und eindrucksvoll die Geschichte der Fischerei und Fischverarbeitung in Cuxhaven zeigt, ebenso wie Exponate von untergegangenen und gestrandeten Schiffen aus früherer Zeit in der Elbmündung. Die ganze Fischmeile ist heute eine kulinarische Straße mit Fischläden und Restaurants, wo auch wir uns gestärkt haben. Ein Strandspaziergang zur Kugelbake und zum Denkmal von Jonathan Zenneck war natürlich obligatorisch.

Am Montag, dem 21.7. passte die Tide am Nachmittag für die Elbfahrt nach Brunsbüttel. Normalerweise sind die 16 Meilen mit der Flut ein Klacks, aber es wehte ein kräftiger Nordost Wind und so hatten wir Wind gegen Strom mit einer beeindruckend kurzen Hacksee und brauchten 4,5 Stunden bis zur Schleuse Brunsbüttel. Hier hatten wir Glück, wurden sehr flott geschleust und konnten um 21 .30 Uhr im Päckchen im Brunsbütteler Yachthafen festmachen. Die Kanalfahrt am nächsten Tag war ein gemütliches dahin Motoren durch die schleswig-holsteinische Landschaft, immer wieder unterbrochen durch das Passieren dicker Pötte aus aller Herren Länder. Zwischen den Frachtern und reichlich vielen Sportbooten schwammen in aller Seelenruhe die Schwäne und Enten. Wieder blies uns der Ostwind kräftig entgegen mit bis zu 25 Knoten, so dass Beagle recht langsam voran kam und wir die Fahrt bei Rendsburg am Obereidersee unterbrochen haben und dort sehr idyllisch beim Wassersportverein Enge einen Liegeplatz für die Nacht fanden. Hier war es windstill, absolut ruhig und doch nur 30 Minuten Fußweg von der Innenstadt Rendsburg entfernt. Das sommerliche Treiben auf dem Marktplatz lud uns zum Abendessen und einem Spaziergang durch die Altstadt. Der letzte Kanalabschnitt zog am nächsten Tag flott an uns vorbei und um 15 Uhr waren wir an der Schleuse Kiel-Holtenau, genau 10 Minuten zu spät, denn wir sahen noch das Schleusentor zugehen hinter einer großen Zahl Segler, die gerade ausgeschleust wurden. Da die alten Schleusen in Kiel zurzeit außer Betrieb waren mussten wir 3,5 Stunden warten bis zur nächsten Schleusung. Uns machte das Warten nichts aus bei schönem Wetter am Wartesteg, aber einige Segler waren doch sehr nervös und kreisten sehr ungeduldig. Mit 3 Frachtern zusammen gelangten wir schließlich in die Kieler Förde und querten direkt in die Heikendorfer Bucht zu einer letzten Nacht vor Anker mit malerischem Sonnenuntergang und einem heimischen Flensburger Landungsbier.

Die letzten 20 Meilen nach Eckernförde sollten eigentlich mit Nordostwind gesegelt werden, aber am Leuchtturm Bülk schlief der Wind ein und der Motor musste nochmal helfen. Mitten in der Eckernförder Bucht kamen uns dann Segler aus dem Verein entgegen, es wurden immer mehr, die uns mit lautem Hallo und Nebelhorn-Tuten begrüßten! Wir waren überwältigt von dem Empfang und segelten an der Spitze des Geschwaders mit unser Beagle in den Heimathafen. Mit sehr herzlichen Worten und Sekt wurden wir vom Vereinsvorsitzenden Heinz Paasch willkommen geheißen, es gab viele Hände zu schütteln und zu erzählen. Für uns war es ein besonders schöner Abschluss der 14 monatigen Fahrt. Wir danken allen sehr herzlich für diesen fantastischen Empfang. Es ist für uns eine große Freude heil und gesund mit einem riesigen Schatz an Erinnerungen wieder gelandet zu sein.

SchleuseBrunsbüttel

Einfahrt Schleuse Brunsbüttel

YachthafenBrunsbüttel

Yachthafen Brunsbüttel neben der Schleuse für die dicken Pötte

Kanalidylle

Kanalidylle

GrossundKleinimKanal

Groß und Klein im Kanal

Passenwirdurch

Passt der dicke Musikdampfer da durch?

RendsburgObereidersee

Rendsburg Marina WSV Enge am Obereidersee

RendsburgMarktplatz1

Rendsburg Marktplatz

RendsburgMarktplatz2

Die andere Seite des Marktplatzes

HeimatlicheKost

Folienkartoffel, Kräuterquark und Krabben – herrliche heimatliche Kost

LandungsbierKielHeikendorf

Landungsbier in der Heikendorfer Bucht, natürlich Flens!

KielHeikendorferBucht

Abendblick aus der Heikendorfer Bucht

SCE-Empfangsgeschwader

SCE-Empfangsgeschwader auf der Eckernförder Bucht

SCE-Empfang

Herzlicher Empfang in der SCE-Marina

LokalePresse1

LokalePresse2

Echo in der lokalen Presse (Eckernförder Zeitung und Kieler Nachrichten)

Logbuch Atlantik-Rückfahrt Tage 71 bis 79 vom 9.07. – 17.07.2014, Sumlog 4706 nm

Von Falmouth über Brighton nach Cuxhaven, eine Fahrt durch Nebel und Regen in den Hochsommer    

Beim Pubbesuch zum Halbfinale der Fußball-WM fanden wir uns in einer rein britischen Runde, die das Geschehen bis einschließlich des ersten Tors sehr ruhig aufnahm. Stimmung kam erst beim zweiten Tor auf und dann wurden wir alle zusammen von der unwahrscheinlichen Torflut geplättet, wir durften aber als hörbar Deutsche zum Schluss eine Reihe von guten Wünschen für das Finale mitnehmen. Ein toller Auftakt für unsere letzten Etappen des Heimwegs.

Gut ausgeschlafen starteten wir mittags in Falmouth mit einer frischen Brise im Sonnenschein zu den 203 Meilen nach Brighton, für die wir 51 Stunden benötigten. Unterwegs überholten uns die wieder nach uns gestartete Antares mit der überraschenden Mitteilung, uns klar und deutlich im Schiffsidentifikationsystem AIS zu sehen, dessen Sender bereits kurz nach dem Beginn unserer Reise im Juni 2013 ausgefallen war und den wir mehrfach vergeblich zu reparieren versucht hatten. Das Wunder einer spontanen Gerätegenesung war geschehen! Drei Viertel des Wegs war es ein sehr schönes Segeln, doch in der zweiten Nacht wurde der Wind so schwach, dass wir bei dem im Englischen Kanal kräftigen Tidenstrom rückwärts gefahren wären, wenn er uns entgegen stand, doch der Motor konnte das verhindern. Bei der Anfahrt auf Brighton erlebten wir eine echte Kostprobe der britischen Wetterküche. In kurzer Zeit zog sich nicht nur der Himmel zu, die bereits greifbar nahe Küste verschwand auch vollständig im Nebel, der von einem kräftigen Regen und einem frischen Wind auf die Nase begleitet wurde. Erst direkt vor der Mole konnten wir wieder einige Details vor uns sehen. Wie schön, dass es GPS, Radar und AIS gibt und alle auch noch funktionierten. Die sehr große Marina ist Teil der Brighton Marina City mit dutzenden von Restaurants, Pubs, einschlägigen Geschäften und einem riesigen Supermarkt. Das gewählte indische Restaurant erfüllte dann unsere Hoffnungen auf eine authentische Küche, die wir in Deutschland kaum bekommen können und die wir sehr genossen. Der Bummel entlang der Strandpromenade zum Stadtzentrum mit Riesenrad, Rummelpier, einem interessanten Gängeviertel und einem nachgebauten indischen Palast belegte die Bedeutung von Brighton als eines der großen Ferienzentren in Südengland. Große Gruppen von jungen Sprachschülern aus aller Welt prägten das Leben auf Straßen und Plätzen.

Mittags ging es wieder Leinen los mit den alternativen Zielen Ijmuiden bei Amsterdam oder Cuxhaven, je nachdem, wie sich das Wetter entwickeln sollte. In zwei Tagen sollten wir Ijmuiden erreichen können und bis Cuxhaven sollte es gut vier Tage dauern. Weil auf dieser Strecke aber die verkehrsreichsten Schifffahrtswege weltweit gekreuzt werden müssen, möchte man das nicht unbedingt nonstop mit einer Zweiercrew durchfahren. An den heißen Punkten gibt es natürlich keine Freiwachen weil einer die Navigation erledigen und die Schiffselektronik bewachen muss, während der andere das Ruder führt. Der Knackpunkt der Planung lag am Ende unseres Wettervorhersagezeitraums von fünf Tagen. Dort zeichnete sich eine Ostwindlage für die Deutsche Bucht ab. Sollte das tatsächlich so kommen, würde es uns in Ijmuiden für die Dauer dieser Wetterlage festnageln, denn gegen Wind und Welle kommen wir nicht entlang der Friesischen Inseln zur Elbmündung voran.

Die Tour begann mit gemütlichem Sommersegeln bei leichten westlichen Winden und Schiebestrom der Tide vor den weißen Kreideklippen der südenglischen Küste bis zum Beachy Head bei Eastbourne, das die Bucht von Brighton nach Norden begrenzt. Der Wind wurde dort deutlich kräftiger und die See richtig kabblig, da die Richtung des Windes aber stimmte und der Schiebestrom lang anhielt weil wir mit der Flutwelle Richtung Engstelle des Kanals segelten, ging es flott aber hoppelig in die Nacht hinein. Folkestone passierten wir noch im Dunklen, doch bei Dover wurde es dann langsam hell, so dass wir mit der Überquerung des Verkehrstrenngebiets dort um 04:50 Uhr beginnen konnten. Dieses besteht aus zwei Richtungsfahrbereichen von jeweils 5 Meilen Breite und einer Trennzone dazwischen. Für jede Richtungsfahrbahn benötigten wir bei unseren 5 Kn Fahrt eine Stunde und eine halbe Stunde für die Trennzone. Bei Fahrgeschwindigkeiten der Großschiffe von meist 12 – 21 Kn müssen wir darum auch auf Schiffe achten und ihnen ausweichen, die am Beginn der Querung einer Richtungsfahrbahn bis zu 20 Meilen entfernt sind. Dank AIS kann man das auch gezielt tun weil sie korrekt von unserem Plotter in die elektronische Karte projiziert werden. Visuell kann man jedoch auch die größten Schiffe bei bester Sicht nicht weiter als etwa 8 Meilen sehen und wir hatten keine gute Sicht sondern dunstige bis nebelige Verhältnisse und Regen. In der Zeit vor dem AIS war die Querungen des Englischen Kanals darum noch heißer, der Schiffsverkehr aber auch schwächer. Dank Elektronik kamen wir mit den großen Schiffen prima klar, hatten aber eine ungeschickte Stelle für unsere Querung gewählt, die wir nicht mehr korrigieren konnten weil man verpflichtet ist, die ganze Überquerung genau Rechtwinklig zu den Fahrtrichtungen des Trenngebiets durchzuführen. Wir hatten zufällig fast genau den Weg der Fähren zwischen Dover und Calais gewählt, die uns aber stets gut auswichen.

Auf der französischen Seite angekommen erfasste uns ein kräftiger Tidengegenstrom gegen den wir bei dem unruhigen Wasser mit den Segeln allein nicht ankamen. Auch mit Maschinenunterstützung schafften wir nicht mehr als 2 Kn nach Osten, dazu kamen ein dichter werdender Nebel und weiter Regen. Ein rechtes Mistwetter also. Aus dem konturlosen Grau rauschte dann ein ebenso graues Schiff mit schäumender Bugwelle ohne ein AIS-Signal zu senden auf uns zu, tutete direkt neben uns, wendete und setzte sich unmittelbar hinter uns – Douane Fancais! Per Funk eine Anfrage: Beagle woher kommen Sie – Aus Brighton – Und davor? – Aus Falmouth – Und davor? – Von den Azoren – Aha, und davor? ……….   Schließlich die Anweisung: Fahren Sie mit konstanter Geschwindigkeit, wir kommen an Bord! Wir schauten uns an, unausgeschlafen, nass und hungrig wie wir waren und auf das unruhige Wasser, doch ein großes Schlauchboot wurde zu Wasser gelassen, vier Mann kletterten bald behände an Bord und wühlten eine Stunde lang ganz freundlich und mit patschnassen Stiefeln einmal das ganze Schiff durch. Dann verabschiedeten sie sich wieder sehr nett und freundlich, nachdem sie darüber gestaunt hatten, wie viel Trinkwasser in Flaschen an Bord war und wir durften immer noch unausgeschlafen das Chaos beseitigen. Uff – erst einmal ein Frühstück!

Entlang der französischen und belgischen Küste klarte das Wetter langsam auf und bei der wieder spannenden Querung des Westerschelde-Außenfahrwassers vor Zeebrugge hatten wir gute Sichtbedingungen auf die Lotsentransfers auf dem Wasser und die sich daran oft anschließenden abrupten Kursänderungen der Großschiffe. Der weitere Weg in der Küstenfahrzone vor dem Rheindelta war bei frischen Westwinden und aufgelockertem Himmel tagsüber eine reine Freude, die Nacht hatte es aber wieder in sich. Bei weiter bestem Segelwind rauschten wir vor der Küste der Niederlande dahin, das taten aber auch zahllose Fischer, viele schwimmende Bagger, die mit teils 18 Kn unterwegs waren und ähnlich viele kleinere Frachtschiffe und bei denen scheint der Autopilot den Steuermann oft komplett ersetzt zu haben. Alice hatte in ihrer Schicht gegen 1 Uhr einen Frachter, der von hinten mit 12 Kn auf Kollisionskurs herankam und auf dreimaligen Funkanruf nicht reagierte und Uli um 2:30 Uhr gleichzeitig eine Frachter von vorn und einen Fischer mit Schleppnetz von Steuerbord auf Kollisionskursen. In beiden Fällen musste der Diesel uns im letzten Augenblick mit Vollgas aus der Bredouille ziehen. Wieder Ufff…… Am Vormittag flaute der Wind wie vorhergesagt langsam ab und um weiter zügig voranzukommen ließen wir die Maschine mitlaufen. Der der per Kurzwelle und Modem empfangene neue Wetterbericht für die Nordsee zeigte dann eine Verstätigung des Wettertrends mit Ostwinden ab dem 17.7., so dass wir endgültig beschlossen, Cuxhaven direkt anzulaufen. Jetzt waren das Maasfahrwasser vor Rotterdam und das Fahrwasser vor Amsterdam und Ijmuiden bei jeweils lebhaften Schiffsverkehr zu queren. Bei guten Sichtbedingungen am Tag kein Problem. Am Abend passierten wir Ijmuiden, von wo aus Antares uns im AIS entdeckte und wir verabschiedeten uns nun erst einmal für längere Zeit per Funk, weil sie sich im Bereich Ijsselmeer einen neuen Heimathafen suchen wollen.

Den Bereich der Friesischen Inseln erreichten wir beim letzten Licht des Tages vor Den Helder und an der Grenze zum Wattenmeer fanden wir eine unübersehbare Zahl von Krabbenfischern vor, die nur in wenigen Fällen mit einem AIS-Sender ausgerüstet waren. Da Krabben üblicherweise bei 2 – 3 Kn Fahrt gefangen werden und wir ausnahmsweise einmal schneller als unsere Verkehrspartner waren, wurde das Umrunden dieser Fischer recht einfach, wenn auch ihre große Zahl die Sache etwas mühselig machte. Wir passierten etwa innerhalb einer Stunde einmal 18 Fischer, einen Bagger und einen Frachter auf unserem Weg. Auch als wir bei Borkum in die deutschen Gewässer wechselten, blieb diese Lage erhalten. Mittlerweile blies ein feiner Südwestwind in unsere Genua, die Beagle zwar rollend, aber seglerisch angenehm und zügig windfahnengesteuert in Richtung Heimat voranbrachte. Die nächste Nacht fand uns mit wieder weniger Wind motorend vor den Ostfriesischen Inseln und im Morgengrauen bei der Anfahrt auf die Außenfahrwasser von Jade und Weser. Dort wurden wir bald munter weil gerade die Weser einigen Verkehr brachte, der uns wieder nach Absetzung der Lotsen durch lustige Richtungsänderungen unterhielt. Zwischen Weser und Elbe rund um Scharhörn erlebten wir dann einen Sommermorgen der ganz seltenen Art. Eine fast glatte Nordsee erlaubte ein Frühstück auf dem Cockpittisch im warmen Morgensonnenschein. Unfassbar! Die Anfahrt auf Cuxhafen wurde kurz nach Scharhörn von der einsetzenden Flutströmung in die Elbe unterstützt. Die letzten Meilen flogen wir fast mit unserem schweren Schiffchen mit 7 Kn und im Sonnenschein in den Hafen und gleich vorn war eine Box für uns frei. Um 13 Uhr war Beagle fest, 428 Meilen hatten wir in fast genau vier Tagen zurückgelegt, mit einem Schnitt von über 100 Meilen/Tag eine unserer schnellsten Langstrecken der gesamten Fahrt.

Am nächsten Morgen war der angekündigte Ostwind eingetroffen und im Sommersonnenschein gab es frische und knusprige Brötchen vom Bäcker im Lotsenviertel bei der Marina und eine Morgenzeitung dazu, kleine Vergnügungen, die wir seit 14 Monaten manchmal richtig vermisst hatten. Hier in Cuxhaven werden wir einige der teils unansehnlichen Folgen der langen Reise für die Beagle durch das stark korrosive Atlantikwasser bearbeiten. Am Dienstag, den 22.7. wollen wir nach Brunsbüttel verholen, am 23.7. den NO-Kanal nach Kiel durchfahren und am Do., den 24.7. bis zum späteren Nachmittag nach Eckernförde in unsere SCE-Marina fahren, wenn das Wetter denn mitspielt. Nach der langen, immer interessanten und meist schönen Fahrt freuen wir uns jetzt sehr auf die Heimkehr!

LeuchtturmFalmouth

Passage Leuchtturm Falmouth

AIS-SchiffsverkehrvorWeymouth

Dichter Schiffsverkehr vor der Portland Bill nahe Weymouth, Südengland in AIS-Darstellung

BrightonStrand

Brighton Strand mit der Vergnügungspier

BrightonPier

Eingang Brighton Pier

RoyalPavillon

Der Royal Pavillon, ein Nachbau eines indischen Palastes in Brighton

WhitecliffsBrighton

Weiße Klippen bei Brighton im Schönwetterdunst

BeachyHead

Beachy Head am Ende der Bucht von Brighton

RuderwachebeiRegenAlice

Ruderwache am Steuertau der Pinne bei Regen

ZollklarzumEntern

Douane Francais klar zum Entern vor Calais

ZollfertigmitKontrolle

Zurück zum Zollkreuzer, alles klar aber durcheinander auf der Beagle

SommerfrühstückaufWattenmeer

Sommerfrühstück auf dem Wattenmeer

KugelbakeCux

Die Kugelbake an der Elbmündung

BojeimFlutstrom

Fahrwassertonne im Flutstrom der Elbe

HafenansichtCux

Hafenansicht Cuxhaven

HistorischeWetterinfoCux

Historische Wetterinfoanlage für die Fischer von Cuxhaven vor über 100 Jahren

(Angabe von aktueller Windstärke und -richtung bei Borkum und Helgoland)

Logbuch Atlantik-Rückfahrt Tage 61 bis 70 vom 29.06 bis 8.07.2014, Sumlog 4076 nm

Nach 1280 Meilen von den Azoren in Südengland angekommen, die Runde um den Nordatlantik ist komplett!
Die zweite Woche der Überfahrt von den Azoren nach Südengland begann ähnlich wie die erste aufgehört hatte, mit Starkwindgeheul, diesmal aber wenigstens aus der gewünschten Richtung West. Der heftige Wind hielt mehr als zwei Tage ununterbrochen mit Windgeschwindigkeiten zwischen 20 und 36 Kn an, d.h. ohne Pause 5 bis 8 Bft und der davon zusammengeblasene Seegang wurde auch für uns wieder einmal beeindruckend, Beagles Sprünge auf den Wellen blieben aber alle im grünen Bereich. Einige Gischtschauer ergänzten das durchgehend regnerische und sehr frische Wetter, wir segelten ja auf dem Nordatlantik im Sommer! Das vorher so sehnsuchtsvoll erwartete Tief war etwas größer ausgefallen und wanderte auch deutlich rascher Richtung Südost nach Spanien als unsere Wetterfrösche vorhergesagt hatten. Diese Feststellung hilft einem aber auch nicht viel weiter, wenn man mit dem Schiffchen erst einmal viele Tagesreisen vom nächsten Ufer entfernt ist und Rasmus einen zünftigen Abschlusstest für die Reise vorgesehen hat.
Danach änderte sich die Wettersituation südwestlich von den Britischen Inseln grundsätzlich zu einem Standardschema mit sehr großen Tiefdruckgebieten aus dem mittleren Nordatlantikbereich, die nordöstlich Richtung Schottland und Skandinavien ziehen und für uns relativ stetige Winde aus SW bis NW in etwas moderaterer Stärke produzierten. Wir konnten darum die Genua allein setzen und zügig bis sportlich auf direktem Weg unser Ziel Falmouth in Cornwall ansteuern.
Zwei Dinge waren auf diesem Weg bemerkenswert. Bei einem kräftigen Schiffshopser in einer steilen Welle schepperte es plötzlich in der Pantry. Die halbkardanische Herdaufhängung unseres feinen Gasherdes war einseitig schlicht abgerostet und das bei einem erst vier Jahre alten Edelstahlteil! Er ist wohl ein Opfer der Agressivität der Atmosphäre auf dem Ozean mit ihrer salzhaltigen Luft. Als wir den Tiefwasserbereich des Atlantiks verließen waren wir unmittelbar über dem Kontinentalabhang, wo die Wassertiefe steil von 4000 auf 200 m ansteigt, von vielen, meist spanischen Fischerbooten umgeben, die wir mit einem Slalomkurs umrunden mussten, weil Fischer Wegerecht auf dem Wasser haben. Im Passatbereich hatten wir dagegen auf einer Strecke von über 2000 Meilen innerhalb von drei Wochen gerade einmal zwei Fischer auf der Schiffselektronik beobachten können.
Unmittelbar vor Lands End, der Südwestspitze Englands und vor den Scilly Islands liegen zwei Verkehrstrenngebiete für die Großschiffahrt, denen wir bei unserer Annäherung an Cornwall so gut es ging fern blieben weil dort die dicken Pötte wie auf einer Perlenschnur einer nach dem anderen mit 12 – 20 Kn heranrauschen und Wegerecht haben. Mit diesem Schiffsverkehr werden wir nun bis einschließlich der Durchfahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal zu tun haben. Was für ein Kontrastprogramm zum freien Ozean! Bei der unmittelbaren Zufahrt von Falmouth mussten wir jedoch eine der Hauptrouten der Großschiffe durch den Englischen Kanal im Morgengrauen kreuzen, allerdings außerhalb der Verkehrstrenngebiete und dort haben wir als Segler die Vorfahrt, was von zwei Containerschffen erst nach unserer Funkanfrage und auf dem letzten Drücker gewährt wurde. Es ist schon ein komisches Gefühl, über 10.000 t Schiff ganz genau auf sich zu fahren zu sehen und das Ding weicht erst im allerletzten Moment aus. Bei einem der Beiden hatten wir unsere Maschine schon angeworfen, um notfalls im letzten Augenblick noch zur Seite wegkommen zu können.
In der Gästemarina von Falmouth wurde uns auf Funkanfrage sofort ein Platz zugesagt. Wir sollten uns ein ähnlich großes Schiff zum Liegen im Päckchen suchen, fanden aber einen gerade frei gewordenen Platz direkt am Steg, eine der tollen Möglichkeiten, wenn man ausnahmsweise einmal morgens um 9:00 Uhr in einem Hafen ankommt. Eine Stunde später hatten wir dann einen Päckchenlieger außen an unserem Schiff, außerdem kam auch Antares mit unseren Schweizer Freunden herein. Die waren allerdings 5 Tage nach uns gestartet. Wir hatten wie erwartet 14 Tage für die in Beaglegeschwindigkeit gesegelten 1280 Meilen benötigt. Falmouth ist ein wunderschönes britisches Hafenstädtchen mit einer langen und bestens besetzen Einkaufsstraße und dutzenden von Bars und Kneipen im Umfeld des Hafens. Hier rüsten wir uns momentan für unsere letzte Etappe zurück nach Eckernförde aus, die wir zumindest für die etwa 800 Meilen bis Cuxhaven nur dann unterbrechen möchten, wenn das Wetter nicht richtig mitspielen sollte. Heute Abend suchen wir uns noch einen Platz in einer Kneipe mit Fernseher, um zu schauen, wie sich Jogis Jungs gegen die Brasilianer schlagen und um ein paar nette Pints Ale zu zischen nach zwei getränkemäßig „trockenen“ Wochen auf dem Wasser und vor der gewiss anspruchsvollen Segeltour durch den Englischen Kanal und die südliche Nordsee zur Elbmündung.

Abschied von den Azoren

GroßesFischfressen

Das große Fressen querab von Sao Jorge: Tölpel von oben, Delfine und Thunfische von unten

FischfressenmitPico

Pico schwebt über der Szene

 

An einem Nachmittag auf dem Nordatlantik, 200 Meilen von Horta entfernt

WalinSicht

Eine Gruppe riesiger Finnwale taucht bei uns auf

Fischgebissen

Kurz darauf kreischt die Angelrolle, ein Fisch in Begleitung der Wale hat angebissen

WeisserThun

Zehn Minuten später, ein Weißer Thun von 6,5 Kg im Cockpit

Walbläst4

Nach dem Thunfischfang, einer der Riesen kommt näher als 50 m an das Schiff heran!

Walbläst2

Eine Walkuh mit Kalb folgt genauso nah („kleine“ Finne hinter dem Rücken des großen Tieres)

Thunfischsteaks

Zwei Stunden später, Thunfischsteaks satt mit und ohne Knoblauch aber vielen Zwiebeln

Sonnenuntergang

Danach ein spektakulärer Sonnenuntergang vor einer regenreichen Starkwindnacht

Regenradar

Regenradar in der Nacht: große Regenwolke im Anmarsch (Linienabstand 2 Meilen)

Sonnenaufgang

Sonnenaufgang in der Ruhe zwischen zwei Tiefdruckgebieten

BlinderPassagier

Leicht angetrockneter blinder Passagier morgens an Deck

HafenblickFalmouth

Hafenblick Falmouth

KaimauerFalmouth

Kaimauer Falmouth

DurchgangFalmouth

Durchgang in einer Hafengasse

Durchgang2Falmouth

Ein weiterer Durchgang

PubFalmouth

Pub an Straßenecke

Logbuch Atlantik-Rückfahrt Tage 55 bis 60 vom 23.06 bis 28.06.2014, Sumlog 3310 nm

Eine sehr abwechslungsreiche Atlantikstrecke

Die letzte große Ozeanstrecke unserer Tour Richtung England begannen wir wie geplant am Montagmorgen. Überall im Hafen von Horta wurden die Leinen losgeworfen und schlagartig war eine Menge Platz in dem sonst gestopft vollen Hafen. Wir freuten uns wieder auf das Meer und ließen bei Schwachwind unter Motor Faial bald achteraus. Die Passage von Sao Jorge und  Graciosa konnten wir bei Sonnenschein absolvieren und noch einmal die imposante Kulisse der Inseln mitten im Ozean genießen. Am nächsten Morgen kam der ersehnte Wind und sofort waren die Segel gesetzt, die Ruhe im Schiff nach stundenlangem Dieselgebrumm war erholsam! 30 Stunden lang hielt diese Freude an mit aufregenden Ereignissen in der Nacht: Schnaufen und Blas von einem Wal in der Dämmerung, der dunkle Rücken war schemenhaft zu sehen. Später zog ein Gewitter vor uns ab, zum Glück ohne uns direkt zu treffen. Wie von der Wettervorhersage gezeigt, erreichten wir dann eine Region mit Flaute und wieder musste der Motor arbeiten. Dabei gab es Nebel und Regen bis alles triefnass war, dank Radar und AIS hat so ein Wetter in stockdunkler Nacht aber den Schrecken früherer Zeiten verloren. Wir konnten die Schiffe die uns im weiten Abstand passierten klar auf dem Bildschirm sehen, in Natur war die Sicht wohl keine 100 m weit.
Ab Donnerstag erreichten wir die Zone mit gut segelbarem Wind, allerdings hat so ein Tiefdruckgebiet leider auch Regen im Gepäck, aber man kann nicht alles haben. Dieser Tag sollte dann als absolut sensationell in unserem Logbuch erscheinen mit 2 Höhepunkten:  Nachmittags hörte der Regen kurzzeitig auf und wir konnten plötzlich eine große Gruppe Finnwale nahe um unser Schiff herum beobachten. Über eine Stunde sahen wir sie immer wieder auftauchen, blasen, jagen, hörten das Schnaufen, es war einfach faszinierend! Die einzelnen Tiere waren teilweise länger als unser Boot und die Show, die diese Riesen des Meeres boten, erzeugte ein Gänsehautgefühl und beeindruckte uns noch lange. Wir konnten sie filmen und hoffen auf gute Bilder. Noch während die Wale um uns herum waren, kreischte die Rolle der nachgeschleppten Angel plötzlich auf, und zehn Minuten später konnte Uli einen Weißen Thunfisch (Albacore) von 6,5 kg sicher ins Cockpit wuchten. Das bedeutete Delikatessen für mindestens 3 Tage und etwas davon haben wir auch eingekocht.
Das Tiefdruckgebiet brachte uns noch eine Nacht mit unerwartet heftigem Wind und Seegang, mit Böen aus Nordost um die 30 kn, leider als Amwindkurs und da ist die Beagle gegen eine solche Welle leider nicht sehr schnell, sondern stampft fürchterlich. Seit heute ist aber der Wind wieder moderater und die Richtung als Nordwestwind passt auch besser. Die Sonne scheint, da ist der Ozean großartig, sowohl bei Tag als auch nachts mit dem Sternenhimmel.

Logbuch Atlantik-Rückfahrt Tage 49 bis 54 vom 16. – 21.6.2014, Sumlog 2819 nm

Vulkanwanderungen auf Faial und Pico und warten auf den Westwind in Horta

Eigentlich wollten wir nicht so lange in Horta bleiben, doch eine ungewöhnliche Wettersituation mit einem Tiefdruckgebiet, welches mittlerweile seit mehr als zwei Wochen zwischen der Iberischen Halbinsel und den Azoren hin und her pendelt sorgt für permanente Ost- bis Nordostwinde in den überwiegenden Teilen der Strecke, die man auf dem Weg nach Mitteleuropa durchfahren muss. Damit hängen momentan alle Segler auf den Azoren fest, die in diesem Frühsommer nach Großbritannien, Irland, Frankreich, Niederlande, Deutschland und nach Skandinavien möchten und das sind ziemlich viele. In der Folge sind die Häfen gerade im Nordosten des Archipels gut gefüllt, doch Horta ist der größte davon und bietet gleichzeitig die beste Versorgung von allen und so beschlossen wir hier zu bleiben, bis sich ein halbwegs geeignetes Wetterfenster öffnet. Ab Montag, den 23.6. haben wir hier voraussichtlich keinen Wind mehr direkt auf die Nase, mit etwas Glück können wir mit einer Motorfahrt von gut 24 Stunden schwache, aber segelbare Winde aus Südwest erreichen und dann hoffen wir, dass die Sache irgendwie mit frischem Wind weiter geht. Ideal ist das nicht für die Strecke von fast 1300 Meilen bis Südengland, so dass wir mit einer Fahrzeit von mehr als 14 Tagen rechnen müssen aber wir wollen hier auch nicht festwachsen. Natürlich melden wir uns wieder wöchentlich von unterwegs mit Zwischenberichten.    

Erfreulicherweise gab es weniger Regen in der zweiten Woche unseres Aufenthalts im Hafen von Horta, so dass wir uns ein kleines Auto geliehen haben, um die Insel Faial zu erkunden. In der Inselmitte befindet sich eine Caldera, der Einsturzkrater einer alten Magmakammer. Mit dem Wagen kann man bis an den Rand der Caldera fahren, der etwa 1000 m über Meereshöhe liegt, der Kraterboden befindet sich 300 m darunter. Wegen der Höhe des Berges bildeten sich auf der Windseite kontinuierlich Wolken, die jedoch so wenig dicht waren, dass sie immer wieder einen freien Blick vom Berg herab und über den Meeresarm zwischen den Inseln auf die Nachbarinsel Pico mit dem weit höheren aktiven Vulkan zuließen. Im Kessel der Caldera tanzten Wolkenfetzen auf und ab, je nachdem wie sich der Wind gerade in den verschiedenen Teilen des Kraters bewegte. Wir wanderten auf einem Teil des Rundwegs auf dem Kraterrand, wegen der immer wieder durchziehenden Wolken und den dabei auftretenden Sichtbehinderungen verzichteten wir aber auf eine komplette Umrundung. Eine interessante Flora und der Gesang zahlloser Vögel, überwiegend einheimische Finken und die uns bestens bekannten Amseln, begleiteten uns auf dem Weg.

Auf guten Straßen, EU sei Dank, fuhren wir wieder vom Berg herab zum Westkap der Insel, das vom aktiven Vulkan Capelinhos gebildet wird, der erst vor knapp 60 Jahren innerhalb weniger Monate aus dem Meer aufgestiegen ist. Neben dem isländschen Heimaey stellt der Capelinhos das jüngste Stück Europa dar. Der nach der Bildung des Vulkans von Vulkanasche halb verschüttete Leuchtturm am Westkap verlor seine vorherige Funktion weil er vom neuen Vulkan nach Westen abgedeckt wurde und musste ersetzt werden. Auch nach 60 Jahren ist die nähere Umgebung des Capelinhos noch eine fast vegetationsfreie Vulkanaschenwüste.  

Die in Sichtweite von Horta liegende Nacharinsel Pico kann mit einer Fähre innerhalb einer halben Stunde erreicht werden. Auch hier nahmen wir uns einen Leihwagen, mit dem wir auf einer sehr interessanten Straße bis zur Talstation des Pico-Gipfelwegs auf gut 1200 m über Seehöhe fahren konnten, den letzten Kilometer allerdings vollständig in Wolken. Ein eisiger, nässender Nebelwind blies uns um die Ohren, die Entscheidung weiter aufzusteigen wurde uns aber abgenommen, die Bergstrecke war gesperrt. Etwas tiefer, gerade unterhalb der Wolken, stellten wir den Wagen neben der Straße ab, die hier auch die Funktion eines wichtigen Rinderpfades hat und spazierten dort herum. Kühe und Kälber werden in riesiger Zahl fast frei auf den Wiesen dieser mittleren Berglage gehalten. Sie nahmen kaum Notiz von uns und sind die Grundlage des wichtigsten Produkts der Azoren: Käse! Begrenzt werden die weitläufigen Viehareale durch aufgeschichtete Trockenmauern aus Vulkanbrocken, beeindruckende Hecken aus übermannshohen Hortensien und Bodengittern im Straßenverlauf. Die Tiere versammeln sich besonders gern auf der schön ebenen Straße und sind nur sehr schwer von einem ganz langsam rollenden Auto zu überzeugen, den Weg freizumachen.

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Seit über zwei Wochen die aktuelle Wetterlage: Ein Tief zwischen Azoren (kleine grauen Flecke unten links) und der Iberischen Halbinsel und eine riesige Ostwindzone nördlich davon. Ganz oben rechts liegt die Südwestspitze von England. Da wollen wir hin!

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Blick in die Caldera auf Faial

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Aktiver Vulkan Capelinhos, Faial, erst 60 Jahre alt.

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Heckenlandschaft Faial

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Porto Pim, der historische Hafen von Horta

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Designer-Superyacht im Hafen von Horta, Pico im Hintergrund

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Straße durch das Hochland von Pico

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Vegetation auf 1000 m Seehöhe, Pico

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Kleinvegetation auf einem großen Stein

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Krüppelbaum im Hochland

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Nebenkrater des Pico. Hier wohnt Nepomuk, der Halbdrache

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Hortensien und Kühe auf dem Pico

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Küste von Pico, die Insel Sao Jorge im Hintergrund

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Meeräschen im Gezeitentümpel

Logbuch Atlantik-Rückfahrt Tage 39 bis 48 vom 7.6. – 15.6.2014, Sumlog 2819 nm

Azorentour von Flores nach Horta auf Faial, dem Treffpunkt der Transatlantiksegler

Pfingstsonntag brachte den idealen Wind aus West-Südwest, um nach Fajal zu segeln und wir erreichten Horta nach einem entspannten 30- Stunden-Trip. Auf den allerletzten 2 Meilen legte der Wind in der Düse zwischen Fajal und Pico noch mal sehr kräftig zu, aber wir hatten gerade das Segel schon geborgen, so dass wir ohne Probleme hinter die riesige Mole einfahren konnten. Obwohl der Hafen rappelvoll mit Segelyachten war, fanden wir einen Platz als drittes Boot im Päckchen neben zwei anderen Stahlschiffen und lagen sicher fest. Gleich beim ersten Rundgang trafen wir auch unsere Freunde von der Antares, die schon einige Tage hier waren und verbrachten gemeinsam einen gemütlichen Abend mit leckerem Essen im Peter Café Sport. Dieses Lokal ist etwas ganz besonderes, seit 1918 ist die traditionsreiche Kneipe im Familienbesitz und der Treffpunkt für alle Atlantiksegler. In urgemütlicher Atmosphäre hängen Wimpel aus aller Herren Länder und nun auch unser SCE-Stander. Man trifft sich hier, kann sehr gut essen und trinken und erfährt alles Wichtige über Versorgung und Weiterreise. In der Vor-Internet-Zeit waren es hier die Wetterinfos, die die Segler austauschten, heute sitzen viele Gäste mit Laptop an den Tischen und nutzen den freien Wifi-Zugang.

Eine weitere Aufgabe ist es, in Horta auf einer der Hafenmauern ein Bild zu malen und sich und sein Schiff dort zu verewigen. Angeblich bringt es Unglück, wenn man es nicht tut. Also machten wir uns auf, Farben zu kaufen und dünne Pinsel und suchten zwischen den tausenden von Gemälden einen Platz an dem ein altes Bild schon total verwittert war, so dass wir es guten Gewissens übermalen konnten. Die erste Grundierung mit weißer Farbe stellten wir auch gut an einem trockenen Nachmittag her, aber die sehr schnellen Wetterwechsel hier machten die Arbeit zunichte, es kam ein käftiger Regen, der alles wieder abwusch. Zwei Tage später gelang uns dann der erste Teil des Bildes und am drauffolgenden Vormittag konnten wir es fertig malen und waren sehr froh, als der Regen am Abend den Farben nichts mehr anhaben konnte, der Beagle hielt sich standhaft und prangt nun hoffentlich für ein paar Jahre auf der Hafenmauer.

Uli hatte noch eine ziemlich eklige Arbeit erledigt. Das Glas von unserem einen Dieselfilter war gerissen und wir konnten hier tatsächlich ein passendes Teil bekommen. Das Einbauen war natürlich mit Dieselgestank verbunden und brauchte seine Zeit, bis alles wieder dicht war.

Wir wollen noch mehr von der Insel erkunden, aber im Moment ist das Wetter miserabel und vor lauter tiefhängenden Wolken sieht man nicht viel. In den kurzen Sonnenphasen kann man von der Nachbarinsel Pico den gleichnamigen Vulkan, den höchsten Berg Portugals, oben aus den Wolken spitzen sehen (2351 m hoch). Weiter hoffen wir bald auf eine Änderung der Großwetterlage, denn auf unserer geplanten Route nach England macht sich ein riesiges Ostwindgebiet breit und gegen solchen Wind und die Wellen können wir nicht fahren.

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Anfahrt Faial

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Dicker Brocken am Ufer im Dunst

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Hafen Horta mit dem Vulkan Pico und seiner Wolkenhaube auf der Nachbarinsel Pico.

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Am Hafen lebt und blüht Baumbart!

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Treffpunkt mit der Antares-Familie natürlich im Peter Café Sport in Horta

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Innenansicht

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Jetzt hängt hier auch der SCE-Stander mit dem Eckernförder Eichhörnchen

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Bemalter Kai im Hafen von Horta

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Beagles Bild entsteht

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Beagles Bild mit den Künstlern und Don Quijote als Nachbarn

Logbuch Atlantik-Rückfahrt Tage 33 bis 38 vom 1. bis 6.6.2014, Sumlog 2684 nm

3. Woche auf See, Ankunft in Lajes das Flores, Azoren

Der Beginn der dritten Woche auf See brachte zunächst einen angenehmen SW-Wind, der langsam auf S drehte und uns mit 4 – 4,5 Kn gemächlich unserem Ziel näher brachte. In der zweiten Nacht ging er aber auf 3 – 5 Kn herunter und die „Dieselgenua“ musste wieder einspringen. Die Flaute erwies sich leider als tiefes Windloch. Insgesamt 40 Stunden Motorgeräusche mussten wir ertragen. Ein Lichtblick und ein Glücksfall dabei. Da der „Restwind“ quer zu unserem Kurs wehte, konnte die Windfahne rund 2/3 der Zeit das motorgetriebene Schiff steuern und wir mussten nicht die ganze Zeit selbst Ruder gehen. Bei einer Routinekontrolle des Treibstofffilters stellten wir fest, dass der Wasserabscheider fast voll war. Die nächste kleine Wassermenge hätte wohl die Dieselversorgung des Motors unterbrochen. Ein Griff zum Umschalthebel und die Gefahr war beseitigt. Die Herkunft des Wassers blieb unklar. Wir hatten natürlich in Bermuda vollgetankt.

Am Ende der Schwachwindphase füllten wir dann bei ruhiger See vier der sieben mitgeführten Dieselkanister mit insgesamt 75 l Treibstoff in den Haupttank, um bis zur Ankunft in Flores für weiter Flauten gerüstet zu sein. Bald sprang der Wind aber wieder an, diesmal aus NW und mit der Vorhersage eines riesigen Starkwindfeldes, das uns den Rest der Strecke sicher als Segelschiff fahren lassen sollte. Schrittweise drehte der Wind in der vorletzten Nacht auf, erreichte am nächsten Morgen erstmals die 20 Kn der Windstärke 5 und am letzten Abend der Überfahrt orgelten 20 – 30 Kn in den Wanten, die sich ab 22 Uhr auf 25 – 35 Kn verstärkten und erst verringerten, als wir gegen 6 Uhr in den Wind- und Seegangsschatten der recht hohen Insel Flores gelangten. Der gute alte Rasmus hatte uns wieder einmal zum Abschluss einer langen Seestrecke ordentlich einen eingeschenkt! Der vom langen Starkwind zusammengeblasene Seegang war durchaus heftig. Beagle tanzte, sprang hin und her und schmiss uns von Zeit zu Zeit im Schiff herum wenn wir uns bei einer der abrupten Schiffbewegungen nicht gut genug festgehalten hatten. Das war die ganze Nacht richtig spannend und erzeugte zahlreiche blaue Flecken, doch es war nie beängstigend weil auch hohe Wellen glatt unter dem Boot durchliefen weil sie so lang waren. Nur ganz vereinzelt schlugen brechende Wellen mit einem harten Schlag wie ein schwerer Hammer gegen die Bordwand und überschütteten uns mit Gischt. In der Ankerbucht vor dem Hafen Lajes das Flores war nur noch ganz wenig Wind. Der Anker fiel um 7 Uhr am Donnerstag, den 5.6.2014 nach knapp 18 Tagen und 1744 Meilen auf hoher See, für unser Schiff ein sehr respektabler Wert. Wir hatten mit mindestens drei Wochen gerechnet.

Obwohl die Marina des Hafens winzig ist und recht gut gefüllt war, fanden wir im hintersten Eck noch in freies Plätzchen für uns, so dass wir Flores, die Blumeninsel, gut erkunden konnten, was uns schnell einen Muskelkater in den Beinen einbrachte weil wir das Bergwandern in der letzten Zeit vernachlässigt hatten. Als Folge der kräftigen Winde aus dem nördlichen Bereich war es kühl und leicht regnerisch. Der Reichtum an Niederschlägen spiegelt sich in einer Vegetation wieder, die alle nur denkbaren satten Grüntöne über die bergige Landschaft verstreut. Nur die grasenden Kühe, Schafe und einige freie Felsen unterbrechen das grüne Farbenspiel der freien Landschaft, die einen tollen Kontrast zum tiefblauen Nordatlantik bildet. Wie in Bermuda begeisterte uns der kleine Ort Lajes das Flores, weil die meisten Gebäude sehr gepflegt sind obwohl eine Reihe leer stehender Häuser anzeigt, dass die Situation der Inselbewohner nicht ganz einfach zu sein scheint.

Pfingsten wird hier offensichtlich groß gefeiert, wegen günstiger Windvorhersagen werden wir aber voraussichtlich am Pfingstsonntag hier ablegen und über Nacht die 130 Meilen nach Horta auf Faial fahren, dem Mekka der Transatlantiksegler und damit ein Pflichtstopp für uns.

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Abschied von Bermuda

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Begegnung nach Kurskorrektur des dicken Kollegen mitten auf dem Atlantik

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Freiwache in der tiefen Mulde der Hochseekoje

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Morgenrasur muss auch sein

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Portugiesische Galeere – eine gefährliche Nesselqualle – segelt vorbei

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Eine Welle möchte uns besuchen

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Müllvolumenverminderung

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Leere, zusammengedrückte PET-Flaschen in der Rückenlehne der Sitzbank

 

 

Logbuch Atlantik-Rückfahrt Tage 26 bis 32 vom 25.5. bis 31.5.2014, Sumlog 2207 nm

Atlantik zwischen Bermuda und Azoren

Der Südwest Wind trieb uns munter weiter voran und bot zahlreiche Wetterphänomene mit Blitzen in der Nacht über den ganzen Himmel verteilt und heftigen Schauerböen. Das Radar war dabei sehr hilfreich, weil man die Schauer schon weit vorher ankommen sah und sich darauf vorbereiten konnte. Nach Durchzug einer Front am Montag kam dann die vorhergesagte Flaute und der Motor brummte durch die Nacht, nervig! Bei dem regnerischen und windstillen Wetter haben wir sogar die Kuchenbude aufgebaut und die Wache konnte im Trockenen sitzen und nur alle 10 Minuten den Kopf rausstrecken zum Rundum-Blick. Glücklicherweise dauerte es nur bis zum Dienstagmorgen und der Wind kam zurück und zwar mit Kraft. Die nächsten Tage bescherte er uns bis zu 33 Knoten und eine sehr respektable Welle. Es ging gut vorwärts!
Unsere tierischen Begleiter sind häufig Seeschwalben und eine Art der Sturmschwalbe, die wir nicht genau bestimmen konnten, die aber offensichtlich auf der Hochsee lebt. Delphine besuchen uns ab und zu für kurze Zeit. Uli war schon sehr frustriert, dass gar kein Fisch seine zahlreichen tollen Köder mochte, aber gestern Abend in der Dämmerung biss dann doch ein kleinerer Schwertfisch, das wird eine exzellente Mahlzeit heute.
In den klaren Nächten haben wir uns ausgiebig mit den Sternbildern beschäftigt und so langsam lernten wir immer mehr zuzuordnen. Die Sicht am Himmel ist hier auf dem Wasser ohne Streulicht einfach brillant. Den Skorpion mit dem hellen roten Stern Antares konnten wir in diesen Breiten komplett sehen, Corona, Bootes und Lyra stehen früh morgens hoch im Zenit.
Im Gegensatz zur Passatroute sehen wir auf diesem Kurs deutlich mehr Schiffsverkehr, ein Frachter kam sogar direkt auf Gegenkurs und wir funkten ihn an, aber er hatte uns schon auf seinem Radar gesehen, änderte brav den Kurs um ein paar Grad und passierte mit 500 m Abstand. Viele Schiffe sahen wir nur virtuell im AIS aber nicht mit dem Auge, weil sie mehr als 6 bis 8 Meilen entfernt fuhren.
Der Abstand zu den Azoren wird immer kleiner, es sind jetzt noch ca. 460 Meilen bis Flores und wir hoffen mit dem nun schwächer werdenden Wind noch so viel Strecke wie möglich zu segeln. Dann werden wir in das berühmte Azorenhoch hineinfahren und vermutlich die restlichen Meilen kaum noch Wind.

Logbuch Atlantik-Rückfahrt, Tage 20 bis 26 vom 18.5. bis 24.05.2014, Sumlog 1494 nm

1. Woche Überfahrt Bermuda – Azoren, 554 Meilen zurückgelegt, 1164 Meilen bis Flores/Azoren

Der Wetterbericht hatte ja schwache Winde für die ersten Tage unserer Überfahrt zu den Azoren vorhergesagt, und so war es dann auch. Der Motor musste nicht nur bei der Ausfahrt aus St. George´s Harbour brummen, sondern auch noch einige weitere Stunden während Bermuda Radio uns per Funk in der bereits bei der Anfahrt erlebten, überaus fürsorglichen Weise verabschiedete und die flache Insel langsam hinter uns im Meer verschwand. Am Nachmittag besuchte uns erstmals seit Erreichen der Karibik wieder einmal eine große Delfingruppe, die uns mehr als eine halbe Stunde mit fantastischen Flug- und sonstigen Kunststücken bestens unterhielt. Am Abend kam etwas Westwind mit 4 – 12 Kn. Langsam ging es unter Segeln durch die erste Nacht, doch Mittags und dann in der zweiten Nacht war der Wind wieder weg. Da nicht klar war in welcher Richtung Wind für uns wehen könnte, ließen wir uns in der zweiten Nacht treiben.  Am dritten Tag gab es wieder ein paar Stunden Langsamsegeln und Arbeit für den Diesel, doch dann platzte endlich der Windknoten.
Ab der Nacht zum Mittwoch wehten erst zögerliche 4 – 12 Kn aus NW, in der nächsten Nacht drehte der Wind dann über W nach SW und briste ordentlich auf. Seit Donnerstag früh pustet der SW uns mit 14 – 30 Kn als Backstagsbrise über den Ozean, dass es eine reine Freude ist! Eine ordentliche See hat sich mittlerweile aufgebaut. Es schaukelt und von Zeit zu Zeit wird man im Boot hin und her geworfen, manchmal platscht etwas Gischt ins Cockpit und nachts ist das volle Ölzeug mit wärmenden Unterschichten nötig weil Wind und See deutlich weniger als 20 °C haben und kleinere Schauer die Sache noch würzen. Vom Seegang abgesehen fühlt sich die Fahrt wie ein Sommertörn mit viel Wind auf der Ostsee an. Was kann denn schöner sein? Wir konnten in diesen Tagen den Jahrestag des Starts dieser Reise zünftig begehen und die Vorhersage verspricht uns für die nächsten 3-4 Tage ähnlich schöne und sportliche Bedingungen, die uns zügig voranbringen.
Zeitgleich aber auch etwas schneller als wir sind einige Boote mit Bekannten und Freunden von uns zu den Azoren unterwegs. Dank moderner Technik können wir per E-Mail sehr gut miteinander kommunizieren obwohl uns jeweils einige Hundert Meilen trennen. Von Far Fetched haben wir gelernt, dass Blaue Flecken auf Englisch bruises heißen.